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Geschichte (Antike,
USA, Schweiz)
ANTIKE
Schon
in der Antike wurde die Bedeutung einer korrekten
Funktion der Wirbelsäule (nachfolgend WS
genannt) erkannt. Wie aus zahlreichen Aufzeichnungen
und Darstellungen (China, Thailand, Aegypten,
Griechenland, Römisches Reich) hervorgeht,
wurden schon damals Manipulationen an der WS durchgeführt!
Hippokrates:"Der
Arzt legt die Fläche der einen Hand auf die
hervor ragende Stelle der Wirbelsäule, die
andere Handfläche auf die angelegte Hand
und zwingt durch einen schnellen Ruck den betroffenen
Wirbel in seine frühere Lage zu schlüpfen:"
Auch
Galenos, letzter grosser Arzt der Antike und Arzt
der Gladiatoren, hat die Bedeutung und Behandlung
von "Wirbelverschiebungen" in 22 Bänden
ausführlich beschrieben. Mit dem Untergang
der Antike verschwanden aber auch viele Aufzeichnungen.
Die Kunst der Behandlung der WS geriet in Vergessenheit.
Einzig gewisse Naturvölker haben diese Behandlungen
von Generation zu Generation weitergegeben (Darstellungen
aus Mexiko, Hawaii, Thailand).
USA
Dem Amerikaner und Kolonialwarenhändler
David Daniel Palmer (kurz DD genannt) fällt
das Verdienst zu, im Jahre 1895 die in Literatur
und Brauchtum überlieferten Manipulationen
wieder aufgegriffen und als Verfahren zur Behebung
reversibler Störungen der Wirbelsäulenfunktion
erkannt zu haben. Er behandelte seinen tauben
schwarzen Butler am obersten Halswirbel (Atlas),
worauf der wieder hören konnte. Also liess
DD sämtliche tauben Menschen in seiner Umgebung
zu sich kommen. Der Erfolg war jedoch mässig,
ja sogar saumässig. Trotz der Misserfolge
liess sich DD nicht beirren und forschte mit grossem
Ehrgeiz weiter (Anatomie, Physiologie und Pathologie
hatten ihn schon früher immer fasziniert).
Er gründete 1987 die erste Schule für
Chiropraktik, das spätere Palmer College
of Chiropractic.
Das ganze tönt aus
heutiger Sicht überaus abenteuerlich, wir
dürfen aber nicht vergessen, dass zu dieser
Zeit die Schulmedizin ebenfalls noch in den Kinderschuhen
steckte. Die Medizin glaubte zum Beispiel, dass
Beinschmerzen durch einen Tumor am Ischiasnerv
ausgelöst würden. Palmer hingegen war
der Auffassung, dass die Symptome beim Austritt
der Nervenwurzel an der WS ausgelöst werden.
Durch seine minimalen Kenntnisse war er im Vergleich
zu den Medizinern weniger im Kastendenken eingepfercht
und war vielleicht gerade deshalb als Denker der
damaligen Schulmedizin in gewissen Bereichen weit
voraus.
Einige
Jahre später gesellte sich sein Sohn Bartlett
Joshua (kurz BJ genannt) zu ihm. Es war BJ, der
die Chiropraktik zu dem machte, was sie heute
ist. BJ entwickelte verschiedenste Behandlungstechniken,
forschte, sammelte (z.B. die grösste Sammlung
von krankhaft veränderten Wirbelsäulen
der Welt) und untersuchte, wie man Probleme im
Bereich der Wirbelsäule behandeln konnte
ohne zu operieren.
SCHWEIZ
Die ersten in den USA ausgebildeten
Chiropraktoren kamen in den 20er Jahren zurück
in die Schweiz und eröffneten die ersten
Praxen, obwohl die Ausübung des Berufes im
Gesetz nicht verankert und deshalb illegal war.
Als zum Beispiel Simon Müller 1932 auf Zürcher
Boden eine Praxis eröffnete, hatte auch er
nicht mit der unerbittlichen Reaktion der etablierten
Medizin gerechnet, deren Standesorganisation die
Justiz in Bewegung setzte: Er wurde gebüsst
und seine Praxis wurde versiegelt. So behandelte
er seine zahlreichen Patienten nun einfach im
Treppenhaus. Die daraus resultierende Gefängnisstrafe
hatte er im Bezirksgefängnis Meilen abzusitzen.
So wie ihm erging es längere
Zeit auch noch anderen Chiropraktoren. Die harten
Verurteilungen lösten bei den sich benachteiligt
fühlenden Patienten weitherum Reaktionen
aus: Sie organisierten sich und gründeten
den Verein Pro Chiropraktik. Es entbrannte ein
heftiger Kampf zwischen den Justizorganen, der
Aerzteschaft und den Anhängern der Chiropraktik.
Aus dieser Zeit stammen
auch die folgenden Zitate, welche die damalige
Stimmung wiedergeben:
"Die Chiropraktik
ist eine richtige amerikanische Schwindelmethode,
über die auch die allerdümmsten Menschen
eigentlich stolpern sollten; aber da die Dummheit
keine Grenzen kennt, erfreut sich diese Kurpfuscherei
eines grossen Zuspruchs aus allen Kreisen, wobei
die Damenwelt den Rekord zu schlagen scheint"
(Stadtärztliches Gutachten
vor dem Richteramt 4 in Bern bei einem der ersten
Prozesse gegen Chiropraktoren in der Schweiz).
"Sicher hat schon
mancher von unseren Lesern die praktische Erfahrung
gemacht, wie ausserordentlich schwierig es ist,
die einzelnen Wirbel eines gekochten Stücks
Schweinerückgrats (Gnagi) voneinander zu
trennen, und doch sind hier Muskeln und Ligamente
(Bänder) durch langes Kochen und Einlegen
in Salzwasser schon ganz bedeutend gelockert worden.
Aus diesen anatomischen Darlegungen geht hervor,
dass eine Wirbelverschiebung im chiropraktischen
Sinne zu Lebzeiten eines Menschen ziemlich sicher
überhaupt nie vorkommt, da durch den ausserordentlich
festen Fixationsapparat sogar grössere Verschiebungen
unbedingt sofort wieder ausgeglichen werden"
(Aus einem Gutachten über
Chiropraktik, verfasst von drei Berner Medizinprofessoren).
Allein schon das unwissenschaftliche
Vorgehen der "Gnagi"-Gutachter genügte
damals, um Zürichs Regierungs- und Kantonsrat
zur Ablehnung einer der ersten Initiativen zur
Legalisierung der Chiropraktik zu bewegen. Das
Zürcher Volk entschied jedoch wider Erwarten
anders und stimmte dem Initiativbegehren im Januar
1939 zu.
Damit war Zürich nach
Luzern (1937) der zweite Kanton, der die Chiropraktik
anerkannte: Die Chiropraktik als gesetzlich verankerte
Heilkunde war geboren. Weitere Kantone folgten
nach und nach, so auch Bern 1964.
Eine durch 400 000 (!)
Unterschriften unterstützte Petition hatte
anlässlich der Revision des Kranken- und
Unfallversicherungsgesetzes (KUVG) im Jahre 1964
den Einbau der chiropraktischen Tätigkeit
in den Leistungsbereich der Krankenkasse zur Folge.
Es folgten 1976 auch noch die Unfall- und Militärversicherungen.
Seit Januar 1965 werden also die Leistungen der
Chiropraktoren von den Kranken(grund)versicherungen
übernommen.
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